Meisterwurz
Peucedanum ostruthium

Eine mehrjährige Pflanze mit aromatischen Blättern und weissen Blütendolden. Sie dient seit langem als Gewürz und in der Volksmedizin.
So erkennst du ihn
Die Meisterwurz ist ein kahler Doldenblütler, 30 bis 100 cm hoch. Ihr Stängel ist rund, gerillt und hohl. Die Blätter teilen sich in drei und dann noch einmal in drei. Am Ende stehen breite, eiförmige, doppelt gesägte Teilblätter von 5 bis 10 cm Länge. Die oberen Blätter sitzen auf grossen, aufgeblasenen Scheiden. Die Dolden sind flach, weiss oder rosa und haben bis zu 50 Strahlen. Die Früchte sind rund, flach und breit geflügelt. Ein zerriebenes Blatt oder der dicke braune Wurzelstock riecht kräftig würzig, nach Sellerie und Möhre. Ihre tödlichen Doppelgänger haben fein zerteilte Blätter, fiedrig oder wie bei einem Farn. Der Gefleckte Schierling hat einen glatten, purpurn gefleckten Stängel und riecht nach Mäusen. Die Hundspetersilie hat lange Hüllblättchen, die unter jedem Döldchen herabhängen. Beim Wasserschierling ist der Wurzelstock in hohle Kammern geteilt, wenn du ihn längs aufschneidest. Die Safran-Rebendolde hat helle Knollen in nassem Boden. Der Riesen-Bärenklau ist viel grösser und hat einen borstigen, purpurn gefleckten Stängel. Sein Saft verbrennt bei Sonne die Haut. Auch der Saft der Meisterwurz kann die Haut lichtempfindlich machen.
Wo er wächst
Sie wächst auf feuchten Bergwiesen und in Hochstaudenfluren, an Bachufern, auf Schutthalden und im Grünerlengebüsch. Meist findest du sie zwischen 1400 und 2700 m. Sie wächst in den Alpen, den Pyrenäen, den Karpaten und anderen Gebirgen Mittel- und Südeuropas. In Deutschland ist sie nur in den Bayerischen Alpen heimisch. Weiter unten ist sie selten und meist aus alten Gärten verwildert, etwa in Grossbritannien und Skandinavien.
Wann
Die Blätter wachsen, wenn der Schnee schmilzt. Am besten sind sie jung, im Frühsommer. Sie blüht von Ende Juni bis August, und die Früchte reifen im September und Oktober.
Sammeln
Zieh Handschuhe an. Nimm ein paar Blätter aus einem grossen Bestand und lass den Wurzelstock im Boden. Zum Ausgraben der Wurzel brauchst du oft eine Genehmigung. In Tirol bekommst du sie von der Bezirkshauptmannschaft. Viele Schutzgebiete und Nationalparks verbieten das Pflücken. Sie wächst zwischen Eisenhut und Weissem Germer, und beide sind tödlich giftig. Pflück Blatt für Blatt und nur von einer Pflanze, die du als Ganzes bestimmt hast.
Zubereitung
Sei dir bei der Bestimmung zuerst ganz sicher. Verwende sie als Gewürz, nicht als Gemüse, denn sie schmeckt kräftig bitter und würzig, ähnlich wie Liebstöckel. In den Alpen würzt die Wurzel Schnaps (Meisterwurzbrand) und Kräuterkäse. Hack ein paar junge Blätter fein und gib sie sparsam in Suppen und Frischkäse. Wasch dir nach dem Anfassen die Hände.
Aufbewahren
Trockne die Blätter oder Wurzelscheiben luftig im Schatten. Dann bewahrst du sie in einem verschlossenen Glas auf.
Giftige Doppelgänger
- Conium maculatum · Tödlich giftig - nicht essen
- Aethusa cynapium · Tödlich giftig - nicht essen
- Cicuta virosa · Tödlich giftig - nicht essen
- Oenanthe crocata · Tödlich giftig - nicht essen
- Heracleum mantegazzianum · Giftig - nicht essen
Quellen: Bestimmung, Standort und Saison: Botanical Society of Britain and Ireland und Alpenfloren. Wurzelgraben und Schnaps: österreichisches Landwirtschaftsministerium (Register traditioneller Lebensmittel). Hautreaktionen: Botanical Dermatology Database.
Konsultiere immer eine Expertin oder einen Experten, bevor du Wildpflanzen oder Pilze isst. Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken.